Verhaltensänderung

Verhaltensänderung

Verhaltensänderung ist in meiner Branche der heilige Gral (dieser Artikel ist von meinem Erfolgs-Blog, passt aber eben auch hier sehr gut hinein).

Ich folge Seth Godin’s Blog schon seit meiner Zeit an einer amerikanischen Business School (Mitte der 1990er). Im Mai 2008 schrieb er einen für ihn ungewöhnlich langen Artikel darüber, wie man am besten Sachbücher (hier im Speziellen „Business Books“) lesen sollte. Natürlich ging es dabei nur am Rande um das Lesen von Business-Büchern und grundlegender um OrganisationSelbstmanagementLernen und persönliches Wachstum.

Gerade letztens erzählte mir ein junger Trainingspartner aus meinem Triathlon-Verein, dass er nebenbei ein Studium begonnen hat. Statt ein „ganz normales“ Vollzeitstudium an einer Universität zu absolvieren (oder wenigstens die abgespeckten Varianten an einer Fachhochschule oder Berufsakademie, die sich heute aber alle  „Hochschule“ schimpfen dürfen), schrieb er sich an einer Fernuni ein. Als Nächstes tat er das, was ohnehin gerade en vogue zu sein scheint: Er besorgte sich alle Informationen im Internet, die sich um ein möglichst schnelles, möglichst effizientes Abhaken des Stoffes drehten mit dem erklärten Ziel, die Sache mit möglichst wenig Aufwand durchzuziehen.

Missing the Point

Viele Menschen scheinen der Punkt komplett zu verpassen. Es geht nicht um die Information, die in einem Buch (Film, Seminar, Coaching, Gespräch etc.) enthalten ist – es geht darum, wie Dich das Buch verändert. Welchen Menschen macht es aus Dir? Das ist auch einer der Gründe, warum es an einer wissenschaftlichen Hochschule so etwas wie ein Studium Generale gibt. Kein Student BRAUCHT das, aber es rundet einen wohl gebildeten Menschen ab.

Und da sind wir beim Lesen von Büchern. Denn genau so gehen die meisten Leser von Sachbüchern vor (Fachliteratur oder Belletristik werden i.d.R. anders konsumiert). Und während bei anderen Sachbüchern der Einsatz meist nicht so groß ist (im Beispiel Kochbuch vergrault man mit dem durchgebratenen Steak schlimmstenfalls die Gäste), können beispielsweise in einer komplexen Geschäftsverhandlung sechsstellige Summen aus dem Fenster geworfen werden. Und für einen sechsstelligen Betrag lohnt es sich gegebenenfalls, etwas mehr Aufwand zu betreiben, nicht lediglich darauf zu hoffen, aufgrund eines Buchinhalts seine kommunikativen Fähigkeiten zu verbessern. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich nach wie vor an die Kraft des Seminars und des persönlichen Coachings glaube (im Vergleich zu „habe ich mal im Internet/in einem Buch gelesen“).

Hoher Einsatz – hohe Entlohnung

Das Spannende ist doch folgendes: Im Grunde sind die paar Methoden, Techniken, Tipps & Tricks des Themas meist recht schnell erklärt. Einen wesentlich höheren Anteil eines Seminars verbringe ich regelmäßig damit, die Menschen davon zu überzeugen, wie lohnend es ist, den eigenen Hintern zu bewegen und sich zu verändern. Denn am Ende des Tages geht es immer um Verhaltensänderung. Und unser träges Reptilienhirn mag keine Veränderung. „Never change a running system!“, höre ich sie rufen. Lasst uns so lange wie möglich am Status Quo festhalten – am liebsten so lange, bis es kein Zurück mehr gibt.

Gerade heute Morgen hatte ich eine Telefonkonferenz mit einem großen Konzernkunden. Sie hatten ein Verhandlungstraining im Februar und jetzt, zehn Monate später, kommt man zu dem Schluss, dass es null-komma-null verbessert hat. Alle waren glücklich und zufrieden IM Seminar (und auch am Ende, wenn es um die Happy Sheets/Seminarbeurteilungen ging). Aber fast forward im Dezember ist nichts nachhaltig hängen geblieben oder umgesetzt worden. Gar nicht gut. Welch eine Verschwendung wertvoller Ressourcen! Aber das ist der Standard. In einer Welt, in der ein Seminar mehr nach oberflächlichem Unterhaltungswert als nach nachhaltiger Wirkung beurteilt wird, bietet der Markt (und der einzelne Trainer/Coach/Speaker) eben genau das! Und dann wundern sich alle?!

In dem Moment, wo Du nur für das Rezept, für den „Quick fix“, die schnelle Nummer, das effizienteste Vehikel schaust, verpasst Du das Leben. Und lernst nichts wirklich tief. Und verstehst nichts. Das mag für das eine oder andere Zitat oder Bonmot reichen. Das mag reichen, um an einer Fernuni ein Studium abzuschließen. Das mag auch reichen, Dich in einer feinen Nische in einem großen Konzern zu verstecken. Aber es wird nicht reichen, wirklich Großartiges in dieser Welt zum Besseren zu verändern. Und genau das braucht die Welt!

Abschließend zitiere ich noch Seth‘ drei wichtige Tipps, wie Du am besten Business-Bücher liest:

  1. Entscheid Dich VORHER, welche drei wichtigsten Lernpunkte Du umsetzen willst (ich persönlich bin schon mit EINEM zentral wichtigen Punkt zufrieden, der mein Leben verändert. Ironischerweise ist das auch der Titel von einem der für mich wichtigsten Business-Büchern der letzten drei Jahre: THE ONE THING.
  2. Wenn Du schon wertvolle Ressourcen wie zeit und Geld investierst, investiere ein wenig mehr Einsatz, damit es sich auch auszahlt! Die üblichen Verdächtigen: Marker, Fähnchen, eigene Gedanken niederschreiben. Aber schreibe Dinge nicht nur, um sie dann schnellstmöglich wieder zu vergessen, sondern um Deine Veränderungen zu dokumentieren, die Du als Resultat des Lesens in Angriff nehmen willst.
  3. Teile und herrsche! Ein Buch ist ein wunderbares Geschenk für andere Menschen, die davon vielleicht ähnlich profitieren können wie Du selbst. Randnotiz von mir: Teilen kann natürlich auch bedeuten, dass Du anderen davon erzählst, ihnen Konzepte erklärst, einen Blog-Artikel schreibst. So lernst Du es auch selbst besser. Denn Du weißt ja: Verstanden hast Du es erst, wenn Du es Anderen verständlich erklären kannst!
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